HAPPY HOUR mit Gaines

Dezember 2010

 

Es ist schon erstaunlich wie sich das Leben abspielt. Es ist wie ein großer Kreis oder eine Kugel, der oder die viele kleinere Kreise oder Kugeln beinhaltet. Der Hauptkreis ist das Leben selbst und die anderen, kleineren Kreise sind die verschiedene Phasen und Rhythmen, die sich immer wieder neu bilden und immer wieder neu verschließen in dem größeren, ganzen Leben.  Ich befinde mich gerade in einer Phase meines Lebens in dem sich einige Kreise schließen, während andere Kreise scheinbar anfangen sich zu bilden.

 

Im September war ich - wie ich bei der letzten Happy Hour angekündigt habe - in meiner Heimat Alabama und Florida.  Dort habe ich mein großes 40. Bühnenjubiläum gefeiert. Da haben sich natürlich etliche Kreise geschlossen. Ich habe 100 Minuten Highlights aus 40 Jahren auf der Bühne gesungen und getanzt.  Anwesend waren Freunde aus meiner Kindheit, aus der Schulzeit, aus der College Zeit und sogar von meiner ersten großen Broadway Tournee war einen Freund und Kollege anwesend.

     Ich habe mit meiner allerersten Bühnenpartnerin Shahna unsere inzwischen berühmte „Sonny & Cher“-Nummer wiederholt, ich habe mit meiner Freundin Brenda - die mit ihrer Mutter aus Washington DC angereist war - eine Nummer aus „Cabaret“ gesungen, was wir zusammen in 1988 in DC gespielt haben.  Sogar meine Mutter und meine geliebte Tante haben eine Nummer mit mir gesungen und gesteppt!  Mein Vater und Stiefmutter sind aus Chicago angereist, meine Patentante kam aus einer 3-Stunden Autofahrt Entfernung, eine Cousine aus Georgia war da und und und…  Es war unglaublich bewegend und der Raum war komplett voller Liebe und Geschichte.  Kreise.

     Danach war ich in Washington DC, um Freunde aus meiner Uni-Zeit zu besuchen.  Davon war ich 3 Tage bei meiner geliebten Gesangslehrerin, Sue Denny, die schon seit über 20 Jahren wie eine zweite Mutter für mich ist.  Ich konnte mich nochmal bei ihr bedanken und bewundern was sie mir für mein Leben und meine Karriere bedeutet. Ich schulde ihr so viel. 

     Meiner zweiten Mentorin und guten Freundin, Gail Humphries-Mardirosian, habe ich genauso viel zu verdanken.  Sie ist diejenige, die mich damals davon überzeugen musste, dass auch ein Schauspieler in mir steckte und nicht „nur“ ein Sänger/Tänzer.  Sie ist noch Dozentin an der American University, und ich hatte die große Ehre mit zwei Gruppen von ihren Schülern über das Showgeschäft und meiner Karriere zu reden und für sie auch zu singen. Großer Kreis schließt sich.

 

     Gerade habe ich meine erste große Tätigkeit als Regisseur mit dem neuen Musical „Cinderella-ein märchenhaftes Popmusical“ abgeschlossen. Es war eine wunderbare, anstrengende, sehr aufregende Zeit und ich hatte das große Glück eine erstklassige Besetzung zu haben. Sie werde ich nie vergessen und ich danke ihnen hiermit für eine traumhafte Zusammenarbeit. Wir haben Premiere in Niedernhausen gefeiert, im Rhein-Main-Theater. In diesem Theater habe ich vor ca. 14 Jahren meine erste große Hauptrolle in Deutschland gespielt in „Sunset Boulevard“. Als ich am vergangenen Samstag meine Verbeugung als Regisseur auf der gleichen Bühne machte, konnte ich tatsächlich an meinem Hintern den schließenden Kreis spüren!

 

     In der nächsten Zeit fangen ein paar neue Kreise an sich bei mir zu bilden: „Guys und Dolls“ an der Volksoper Wien, ein Stück das ich schon immer spielen wollte.  Meine Gesangslehrerin Sue spielte in der Ur-Urfassung von dem Stück am Broadway 1951, also ein Kreis schließt sich eigentlich damit gleichzeitig.  „Die Blume von Hawaii“ wird dort auch weiter gespielt und „Kiss me, Kate“ kommt mit mir an der Komischen Oper in Berlin im Frühjahr zurück. Dadurch drehen sich manche Kreise noch weiter.  Und ein paar Überraschungen kommen auch noch dazu!!

 

     Also, Prost auf die Kreise: auf die, die sich bilden und die, die sich schließen. Egal wo ihr eure Happy Hours in der nächsten Zeit genießen werdet, ob mit Glühwein am Weihnachtsmarkt, ob ein Bier aus der Dose an der Staatsoper oder Volksoper in Wien hockend oder an Stränden auf der Welt verteilt, bleibt immer wachsam und erkennt die Kreise. Die formen uns ja das Leben!

 

Euer

        

 

 

 

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