HAPPY HOUR
mit Gaines
Winter 2010 |
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Es gab einmal einen Jungen aus einem Land weit, weit
entfernt. Er wuchs in der
Tanzschule seiner Mutter auf und tat nichts lieber, als auf der Bühne stehen,
und das angefangen im zarten Alter von zwei. Trotz allen Widerständen hat er es geschafft, aus dem
tiefsten Süden zu fliehen und in der großen, weiten Welt seine Leidenschaft
auszuüben. Jetzt versteh es
nicht falsch. Er war stolz aus
den Südstaaten zu stammen und liebte seine Heimat und die Traditionen und die
Geschichte, die dazu gehörten.
Eines davon - die Happy Hour oder Cocktail-Stunde, in der man entweder
allein oder mit lieben Freunden einen kalten Drink zu sich nimmt und die Welt
genießt und dem Geschehen der Welt einfach zuschaut - mochte er
besonders. Aber er wusste, um er
selbst sein zu können und das zu machen was er liebte, musste er halt
woanders hin. Also der Kleine zog in die Welt
hinaus und versuchte täglich seine Kunst zu verbessern und zu beherrschen,
aber auch sich selbst. |
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Denn
er wollte nicht nur ein guter Entertainer werden, sondern auch einen guter
Mensch. Er glaubte wohl an Gott und die Energie der Liebe, die diese Welt
beherrschen und wollte so gut wie möglich damit im Einklang sein. Und Gott und das
Universum hatten ihn belohnt, indem sie ihm die richtigen Herausforderungen
und auch die richtigen Menschen, um ihn auf seinen Weg zu begleiten und ihm
dabei zu helfen sein wahres und bestes ich zu entdecken und zu werden,
zufügten. Er wusste das zu
schätzen und war dankbar dafür.
Er sprach seinen Dank immer wieder in ruhigen Momenten aus und widmete
jeden seiner Auftritte den Kräften und Fähigkeiten, die ihm in diesem Leben
zugeteilt worden waren. Manche Leute haben
ihm gesagt, er sei blauäugig und dass er die Welt nicht so sehe, wie sie
eigentlich ist, sondern wie er die Welt sehen möchte. Das tat er zum Teil tatsächlich, aber
er stand dazu und hat immer versucht ein gesundes Gleichgewicht zu finden,
zwischen der Realität, die er durchaus erkennen konnte und der Realität, die
er erzeugen wollte. Das ist
leider manchmal schief gegangen.
Klar, das musste so kommen.
Aber da er mit seinem kompletten Verstand und Herzen glaubte, dass
alles kommt wie es kommen soll, konnte er auch damit leben und versuchte
immer daraus zu lernen. Dieser Junge war im
wahrsten Sinne des Wortes ein „Menschens-Mensch“, oder wie sie es in Amerika
ausdrücken ein „people-person“.
Er liebte und mochte Menschen.
Er hat manchmal sogar gesagt, dass er Menschen gerne sammelt. Und er hatte über die Jahre hinaus
wirklich super, treue, liebevolle Menschen in seinem Freundeskreis um
sich. Er versuchte diese Leute
zu pflegen und lieben und ihnen immer das Gefühl zu geben, dass sie ihm
wichtig seien und dass er immer für sie da sein würde. Er tat alles in seiner Macht, um das
zu tun. Auch wenn Jahre dazwischen lagen in denen sie nicht gesprochen hatten,
blieben die Drähte zu den Freunden meist stark und erhalten. Das machte ihn sehr froh. Er bildete sich
ein, den Leuten in seinem Leben viel zu geben: Liebe, Vertrauen,
Unterstützung, Zuneigung, Hilfe, Interesse. Aber es fiel ihm immer schwerer das zu machen, denn die
Welt und das Leben drehten sich immer schneller und schwieriger. Er fühlte sich manchmal komplett
überfordert mit den Kommunikationsmöglichkeiten von heute: E-Mail, Facebook, Homepage, MySpace,
YouTube, usw. Er versuchte, es
allen Recht zu machen (eine typische Südstaatler Eigenschaft), was ihm mal
gelang und mal nicht. Aber das, was ihm
am meisten Leid getan hat und womit er nicht zurecht kommen konnte war, wenn
Leute enttäuscht waren oder böse geworden sind, weil deren Erwartungen
unerfüllt blieben. Er versuchte
alle immer zu lieben und zu verstehen.
Und wenn die Leute ihn nicht verstehen konnten oder böse waren oder
einfach aus seinem Leben verschwanden, ohne eine Erklärung und ohne ihm die
Chance zu geben zu wissen worum es ging, hat das ihn bis zu seinem Inneren
geschüttelt. Er trauerte um
jeden solchen wie in einem Todesfall. Was machte er
dann? Er übte seine Berufung
natürlich weiter aus, denn das war es wofür er auf diesen Planeten platziert
worden ist. Er konnte nicht anders, auch wenn er es manchmal gerne täte. Es lag ihm im Blut und es hatte
Vorrang über FAST alles andere in seinem Leben. Klar, es war dadurch vorprogrammiert, dass sein
Privatleben darunter leiden würde.
Er wusste das, mochte die Vorstellung überhaupt nicht, aber versuchte
langsam damit klar zu kommen. Er
versuchte weiter zu lernen, künstlerisch und menschlich, und versuchte die
Leute, die ihm wichtig waren weiterhin zu lieben und zu pflegen, denn das
sind die Leute, die ihm am meisten bedeuten und für ihn da sein werden
nachdem das Publikum nach Hause geht. Und unter diesen
Menschen trat ab und zu jemand sehr besonders in sein Leben ein, der ALLES
verstand worum es ihm ging. Und
mit diesen Menschen wollte er all seine Happy Hours verbringen, lange nachdem
die Bühnenlampen erloschen waren. |
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Euer
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